Liebe Freunde und Unterstützer der Stiftung „Gesundheitsmedizin“,
gerne möchte ich von einem Treffen bzw. einer Reise von verschiedenen Stiftern*innen in Bochum berichten, von der ich gerade zurückgekehrt bin. Erstmals haben sich dort in den Räumen der GLS-Treuhand und GLS-Bank Stifter*innen getroffen, um sich persönlich kennenzulernen, auszutauschen und ggf. auch zu vernetzen. Eine grössere Reise fast durch die gesamte Republik sollte es ursprünglich werden, was jedoch einen zu großen Aufwand bedeutet hätte und so beliessen wir es bei mehreren kleinen Exkursionen vor Ort zu Projekten bzw. Organisationen, die von der GLS unterstützt und gefördert wurden oder werden.
Es war für mich ein schönes Gefühl zu sehen, wieviele Menschen es doch gibt, die mit den ihnen jeweils zur Verfügung stehenden Mitteln, versuchen etwas Gutes zu bewirken. Diese Kräfte sind da und sie wirken, sie sind jedoch offenbar weniger sichtbar und in der Summe auch (noch) nicht dominierend. Viele Teilnehmer kamen auch von weit her (u.a. aus Wien) und fast ausnahmslos mit öffentlichen Verkehrsmitteln, wobei jeder, mich eingeschlossen, dabei die üblichen leidigen Erfahrungen machen durfte. Insgesamt war dieses Treffen aber ein wohltuender Kontrast zu den üblichen und üblen Nachrichten, mit denen wir jeden Tag konfrontiert werden und bei denen man den Eindruck gewinnen kann, dass die eine Hälfte der Menschheit ausschliesslich damit beschäftigt ist, die andere Hälfte – sehr zurückhaltend formuliert – übers Ohr zu hauen.
Am meisten hat mich aber ein Vortrag über die Gefahren der allseits geforderten und scheinbar so heilsbringenden Digitalisierung beeindruckt. Insbesondere fand ich den Begriff der „Digitalen Demenz“ gleichermaßen originell wie treffend. Wir sind auf dem besten Wege unseren Verstand komplett an eine Technik , genannt KI, abzugeben und zu verkaufen. Das ist erschreckend, wenn wir uns die Dimensionen bewusst machen. Natürlich kann man die Tech-Riesen wie „Meta“, „Google“, „Anthropic“ verantwortlich machen und versuchen ihre Macht zu begrenzen. Die Frage ist nur, ob wir es denn wollen. Denn wir könnten es, ganz ohne Gesetze und staaliche Regulierungsversuche. Wie meist, steht dem aber unsere eigene Bequemlichkeit und Gewohnheit im Wege. Wie bei einer anderen Sucht auch, bringt es nichts das Suchtmittel oder dessen Hersteller verantwortlich zu machen, sondern wir selbst sind es, die entscheiden, ob oder in welchem Maße wir es benutzen.
Ich zitiere bei dieser Gelegenheit gerne Walther Lechler, der es mit dem Satz: „Der Mensch ist’s, nicht die Droge“ auf den Punkt brachte. Auch wenn damals, als als er das sagte, das Internet noch gar nicht erfunden war, ist es mittlerweile tatsächlich für die meisten zu einer Droge geworden. Es ist heutzutage normal, mit dicken Kopfhörern und pausenlos auf sein smartphone starrend oder telefonierend durch Städte oder sogar durch den Wald zu laufen. Normal deswegen, weil es alle so machen. Deswegen ist es aber nicht automatisch auch sinnvoll, sondern schränkt unsere Fähigkeiten präsent zu sein und in Beziehung zu treten massiv ein. Deswegen finde ich hier den von H.-J. Maaz geprägten Begriff der „Normopathie“ sehr passend, der beschreibt, dass etwas eigentlich Krankhaftes zur Norm geworden ist.
Dieses Phänomen können wir auf allen Ebenen unserer Gesellschaft beobachten und es ist tatsächlich an jedem Einzelnen sich dem im Rahmen seiner Möglichkeiten zu widersetzen. Das können Kleinigkeiten sein, wie z.B. im Zug oder Bus, statt sich mit dem smartphone zu beschäftigen, vielleicht ein Gespräch mit dem Sitznachbarn zu beginnen. Ich war auf der Rückreise plötzlich ziemlich verunsichert weil mein Zug ausfiel, traute mich dann aber eine Mitreisende anzusprechen und es entstand daraus ein sehr nettes längeres Gespräch, was sicher nicht passiert wäre, hätten wir beide nur auf unser handy gestarrt. Dafür hat unser Treffen in Bochum ganz sicher einen wichtigen Impuls gegeben und ja, irgendwie auch die vielgescholtene Deutsche Bahn.
Abschliessend noch ein Buch-Tipp. „Die schönere Welt, die unser Herz kennt, ist möglich“, von Charles Eisenstein: Wir alle sind miteinander verbunden. Schon kleine, persönliche Gesten von Mut, Freundschaft und Selbstvertrauen bergen eine ungeahnte transformatorische Kraft. Wenn wir dieses Prinzip des Interbeing anwenden, können wir zur Überwindung der Separation und einem positiven Wandel beitragen damit die schönere Welt möglich wird, die wir in unseren Herzen längst erahnen.
Klingt das nicht großartig!